„Von der Desillusionierung im Alltag“, Interview in der Cannstatter Zeitung

Cannstatter/Untertürkheimer Zeitung, 17. Januar 2018

Von Iris Frey

Von der Desillusionierung im Alltag

Bad Cannstatt: Erster Roman von Michael Haas – „50 – Licht und Schatten. Männer betrügen Frauen, Frauen betrügen sich selbst“

Der in Bad Cannstatt geborene Michael Haas, der lange als PR-Berater, Stiftungsreferent und Pressesprecher im Verlagswesen und zuletzt im Landtag als Pressesprecher für die FDP-Fraktion tätige Autor hat einen Schlüsselroman über die Wohlstandsgeneration der 50-Jährigen geschrieben. Die von ihm beschriebenen 15 Charaktere kommen in dem Episodenroman „50. Licht und Schatten. Männer betrügen Frauen, Frauen betrügen sich selbst.“ alles andere als gut weg. In den einzelnen in sich abgeschlossenen aber verwobenen Geschichten nähert sich Haas einer Generation, die den Wohlstand genießt und gleichzeitig über ein sinkendes Rentenniveau jammert.

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Was ist das Grundproblem im fünften Lebensjahrzehnt?

Haas: Sehr wahrscheinlich die Desillusionierung im Alltag. Niemand glaubt anfangs, er könne Opfer seiner Routinen werden. Doch genau das tritt ein. Und dann erwacht die Sehnsucht nach Esoterik. Eine ganze Generation ist auf der Suche nach sich selbst und wünscht sich, befreit zu werden. Die Jugend ist vorüber, die Verpflichtungen sind zahllos und die Liebe wird für viele zu einer tristen Gewohnheit. Jeder Tag gleicht dem anderen und die Frustration wächst. Das ist in jeder Beziehung eine Tragödie. Ihre Helden gleichen jedoch eher unfreiwilligen Komödianten.

Was ist Ihre Lösung dafür?

Haas: Eine Lösung wäre vielleicht, selbst dann besonders charmant zu sein, wenn es schmerzt. Je weniger wir uns in hässlichen Streitigkeiten verlieren, desto größer wird unsere Sensibilität für all die Schönheit, die uns umgibt. Wer glaubt, nur weil Dunkelheit herrscht, gebe es keine Sonne, erliegt einem Irrtum. Liebe und Mitgefühl sind gute Ratgeber, die uns daran erinnern, wer wir sind oder sein könnten. Freiligrath, der im Cannstatter Uff-Friedhof beigesetzt ist, hat diese Maxime in schöne Verse gegossen: „O lieb, so lang du lieben kannst. Die Stunde kommt, die Stunde kommt, da du an Gräbern stehst und klagst.“ Wir sind verletzliche Wesen. unser Dasein ist endlich. Wir sollten es gemeinsam genießen und nicht allein vergeuden.

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Das gesamte Interview finden Sie hier: „Von der Desillusionierung im Alltag“, Cannstatter Zeitung, 17. Januar 2018